Mittwoch, Oktober 19, 2005

Pseudokonservative leistet Offenbarungseid: Kugler-Lang bekennt sich zur Fristenlösung

In die Hose gegangen ist die lockende Karotte der ÖVP Wien, die sie bei der Landtagswahl am nächsten Sonntag dem katholischen Stimmvieh hinhalten wollte. Auf dem letzten Platz der Landesliste kandidiert nämlich mit Gudrun Kugler-Lang eine selbsternannte Lebensschutzaktivistin.

Diese rudert nun zurück (vgl. Bericht der Internetzeitung wienweb).

Was ist passiert?

Die Verbündeten von Frau Kugler-Lang von der ÖVP-treuen Pro-Life Organisation "Ja zum Leben/HLI" haben verbal im Rahmen ihrer Postwurfwerbung für Kugler-Lang etwas übertrieben. Wörtlich ist in den Texten, die zur Abgabe einer Vorzugsstimme für Kugler-Lang aufrufen, von einem "Gebetssturm" die Rede, der notwendig sei und von einem "Bürgerkrieg gegen ungeborene Kinder". Es gehe um "Leben oder Tod" und mit einer Stimme für die ÖVP-Wien und Kugler-Lang könne man die Homoehe stoppen. Und dergleichen seitenlanger Schwachsinn mehr.

Auf Druck Ihrer Partei, so sieht es zumindest das radikalkonservative Weblog "kreuz.net", distanziert sich Frau Kugler-Lang nunmehr öffentlich von HLI.

Bei wienweb heißt es: Kugler-Lang erkläre, sie habe mit solchen HLI-Aussagen nichts zu tun und überhaupt sei ihre Meinung zum Thema Abtreibung die der Bundespartei.

Damit ist dann alles klar, denn die ÖVP ist, egal ob auf Bundesebene oder in Wien, eindeutig für die Beibehaltung der Fristenregelung. Zahlreiche Aussagen von Spitzenpolitikern (teilweise hier im Archiv dokumentiert) wie Rauch-Kallat, Finz und Khol belegen dies. Zudem wurde trotz einer schwarz-blauen Mehrheit seit 2000 weder die Fristenregelung außer Kraft gesetzt, noch wenigstens die ursprünglich vor 30 Jahren angepeilten Begleitmaßnahmen umgesetzt.

Nachdem mit der Distanzierung vom Hauptverbündeten HLI der Vorzugsstimmenwahlkampf von Kugler-Lang organisatorisch in sich zusammenbricht, folgt zeitgleich auf wienweb der inhaltliche Kollaps. Denn es ist aufgrund ihrer Statements beim besten Willen nicht erkennbar, worin ihr behauptetes Angebot an katholisch-konservative Wähler überhaupt besteht.

Frau Kugler-Lang gehört zu einem Kreis verbalkonservativer ÖVP-Apologeten und betreibt zusammen mit ihrem Gatten eine katholische Ehevermittlung. Sie ist Trägerin des "Leopold-Kunschak-Preises" (dotiert mit 2.200 Euro) des ÖVP-Bundes ÖAAB. Zuvor war Frau Kugler-Lang in Brüssel für einen kirchennahen Think-Tank tätig, der einmal im Jahr eine Fahrradtour organisiert und Denkschriften verfaßt. Das Ehepaar Kugler-Lang will zusätzlich zur Heiratsvermittlung auch Medienberatung für v.a. katholische NGOs anbieten. Ob das schlau ist, bleibt aber angesichts der eigenen Performance im Rahmen des Vorzugsstimmenwahlkampfes unklar.

Anmerkung: (Noch?) Nicht geändert wurde die Persönlichkeitswebsite der ÖVP für Kugler-Lang. Dort spricht sie sich für "... den Schutz des ungeborenen Lebens von der Empfängnis an ..." aus. Unklar ist, wie das mit ihren Aussagen auf wienweb zusammenpaßt. Klar ist, daß Kugler-Lang ohnehin keine Chance auf einen Einzug in den Landtag hat - sie bräuchte knapp doppelt so viele Vorzugstimmen als sie Bürgermeister Häupl (SPÖ) bei der letzten Wahl hatte - und daß sie von Anfang an als schwarze Mogelpackung angelegt war.

Potentielle ÖVP und Kugler-Lang Wähler bleiben jedenfalls ratlos zurück. Auch aktuellste Stellungnahmen der Kandidatin auf kath.net tragen nicht zur Klarheit bei. Sie ist eben auf Bundes-ÖVP Linie ...