Steiermark-ÖVP: Blutrote Einblicke
Eine Kostprobe der porösen weltanschaulichen Durchbildung und Verortung führender VP-Funktionäre hat gestern der Klasnic-Erbe Landesrat Hermann Schützenhöfer (ÖVP) im Rahmen eines Kommentars zur Lage der Partei abgelegt:
"Ich übernehme die Aufgabe des Fraktionsführers in der Regierung in einer schwierigen Lage der Volkspartei. Das wird ein hoffentlich nicht allzu langer Marsch am Ho-Chi-Minh-Pfad, den wir da antreten müssen." (Hervorhebung durch Scharze Witwe)
Ho Chi Minh (*1890, +1969) war kommunistischer Funktionär und ab 1954 Diktator in Nordvietnam. Er betrieb die gewaltsame Einigung des Landes unter kommunistischer Dominanz. Nach ihm benannt ist der "Ho-Chi-Minh-Pfad", ein Netzwerk von Dschungelpfaden, auf denen mittels Fahrrad, LKW, menschlichen Trägern sowie Vieh Versorgungsgüter zu den Vietcong-Terroristen ins unabhängige Südvietnam transportiert wurden. Nach der, von der Junta um "Onkel Ho" aus politischer Opportunität durchaus intendierten, Selbstaufopferung des Vietcong im Rahmen der Tet-Offensive 1968 dienten die Dschungelpfade zur Versorgung der im Süden operierenden nordvietnamesischen Truppen.
Der "Lange Marsch", an den Schützenhofer mit seinem Statement zusätzlich anknüpft, gehört übrigens nach China und nicht nach Vietnam. 1935 entzogen sich die Einheiten der chinesischen Kommunisten unter Mao Ze-Dong in verlustreichen Marschbewegungen dem militärischen Druck der nationalchinesischen Kuomintang-Regierung. Aus dem Ereignis wurde in der Propaganda der "lange Marsch".
Ungeklärt bleibt, was Schützenhöfer aus dem Vorbild vietnamesischer und chinesischer Kommunisten lernen möchte. Ob Terroranschläge gegen die SPÖ oder südliche Landesteile ins Haus stehen, bleibt ebenfalls unbekannt. Auch ob die ÖVP ihre Transporte künftig mit Wasserbüffeln abwickelt.
Deutlich wird aber, daß auch nach dem Abgang des Landesgeschäftführers Schnider die steirische ÖVP weiterhin massive Defizite in der Beherrschung der Grundfertigkeiten des politischen Geschäfts hat und in der Realität des Durchschnittsbürgers weder rhetorisch noch psychisch angekommen ist. Schließlich hat man noch vor wenigen Tagen vor einem Erstarken der Kommunisten in der Steiermark gewarnt, während schon am Montag nach der Wahl Schützenhofer verbal ins Ho-Chi-Minh-Näpfchen tritt.
Eines könnte die Steiermark-VP von "Onkel Ho", so die Titulierung des Politikers in der vietnamesischen Propaganda, dennoch lernen: Er war für einen asketisch-genügsamen Lebensstil bekannt und bewohnte in Hanoi ein einfaches Holzhäuschen.
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